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Elmar M. Lorey
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Wenn das Paradies verriegelt ist, wie der Dichter sagt, und die Welt nicht zu retten, wie jeder Melancholiker weiß, nützt es mitunter, einen Blick auf die Menschen-Geschichte zu werfen. Bisweilen kann man ihr Heiteres abgewinnen oder Vergessenes wiederfinden. Manches indes bleibt trotz hartnäckiger Nachfrage ein düsteres Rätsel. Dafür drei Beispiele:
1. Zum Thema Agrest oder Verjus.
Oder - Vom vergessenen Wissen über die liebliche Säure
Seit einigen Jahren berichten diese Seiten über die Geschichte des Agrest / Verjus und seine weltweite Renaissance. Seit 2007 hat dies nun auch bei deutschen Winzern ein Echo gefunden, und es wächst die Zahl der Spritzenköche und Sternerestaurants, die seine Wiederentdeckung feiern.
Das seit dem Mittelalter so geschätzte Würz- und Heilmittel aus dem Saft unreifer Weinbeeren war hierzulande fast zweihundert Jahre in Vergessenheit geraten. Unter den deutschen Weinbaugebieten sind es eigentlich die Rheingauer Winzer, die hier an der längsten, nämlich an einer fast 800jährigen Tradition anknüpfen könnten, wie eine Urkunde aus dem Kloster Eberbach vom Jahre 1225 belegt. Das Dokument ist der früheste Erzeugernachweis für die deutschen Weinbaugebiete, der bisher bekannt geworden ist. Mehr...
Französische Winzer und Köche waren jedoch die ersten, die ihren traditionsreichen "Verjus" (=grüner Saft) in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wiederentdeckt und damit auch die Spur für die Bezeichnung des Saftes vorgeprägt hatten. "Wärschüü" klingt nun mal eher nach Gourmet-Küche als das raukehlige Wort "Agrest", das hierzulande allmählich verloren ging.
Dass übrigens ausgerechnet Paracelsus eine "unrühmliche" Rolle in dieser Geschichte des Verschwindens spielte, kann man z.B. hier auf diesen Seiten erfahren. Die Geschichte des Agrest/Verjus reicht jedoch viel weiter zurück, ja bis in vorbiblische Zeiten und in orientalischen Ländern ist das Würzmittel aus dem Weinberg bis heute nicht aus der Küche verschwunden. (arab.= hissrim; pers. = abe gureh; liban. housroum; türk. Koruk Suyu)
Wer diesen alten Zusammenhang wieder entdecken will, findet auf diesen Seiten weitere Informationen zum vergessenen Wissen über Agrest/Verjus:* Ein kleiner kulturgeschichtlicher Überblick. Mehr...
* Hinweise zu Produzenten in Deutschland, aber auch weltweit. Mehr...
* Eine kleine Auswahl historischer Rezepte. Mehr...
* Der Agrest als diätetisches Heil- und Lebensmittel in Gesundheitsratgebern des 15. und 16. Jahrhunderts und der Aufstieg seiner Konkurrentin, der Zitrone. Mehr...
* Zum bisher ältesten Erzeugernachweis aus dem Jahr 1225. Mehr...
* Eine Kurzliste deutscher Produzenten nach Postleizahlen geordnet. Mehr...
2. Zum Thema Wein und Gesundheit
Wein zu trinken, kann eine schöne Sache sein. Noch schöner ist es, sich bei einem Glas Wein mit der wechselvollen Geschichte dieses Getränkes zu beschäftigen. Und diese Geschichte ist für so manche Überraschung gut. Hier gibt es eine unterhaltsame Kulturgeschichte der "Weinmedizin" - so etwas gab es wirklich. Was die ärztliche Forschung heute wiederentdeckt, gehörte einmal zum alltäglichen Wissen der Menschen von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Es gab in der Tat Ärzte, die in bestimmten Krankheitszuständen dem Korkenzieher mehr vertrauten als dem Skalpell.
Etwas für Weinfreunde und Bücherliebhaber, mit zahlreichen Faksimiles und Dokumenten aus fünf Jahrhunderten. Einen besonderen Reiz entfaltet das Buch, wenn man es zusammen mit einer guten Flasche zum Geschenk macht.Elmar M. Lorey
DIE WEINAPOTHEKE
Amüsantes, Kurioses und Wissenswertes aus alten Arzneibüchern und Chroniken.
Bibliophiler Halbleinenband
3. Auflage 1998, 188 Seiten; 85 Abb. ISBN 3-444-10464-2
Ausgezeichnet von der Gastronomischen Akademie Deutschlands 1998
Leider ist auch die 3. Auflage seit Herbst 2001 vergriffen.
Aber: Nicht verzagen! Hier gibt es eine Möglichkeit, doch noch an das Buch zu kommen.
* Zum Inhaltsverzeichnis
* Pressestimmen zur WEINAPOTHEKE
* Hier findet man eine Kostprobe über einige Weindoktoren, bei denen es den Wein noch auf Rezept gab.
* Weitere Texte zum Thema findet man hier. Mehr....
3. Thema Vom Werwolf-Mythos in der Zeit der Hexenverfolgung
In der Zeit der Hexenverfolgung, vor allem im 17. Jahrhundert, verhandelte man vor Gericht nicht nur gegen "Hexen", sondern auch gegen Menschen, die man verdächtigte, in die Gestalt eines Wolfes hinüber wechseln zu können. Man nannte sie Wolfmacher oder Werwölfe. Historische Akten solcher Prozesse sind noch heute in den Archiven erhalten. Die Vorstellung vom wolfsverwandelten Menschen indes ist viel älter.
Durch Zufall fand sich ein handschriftliches Dokument aus dem Jahre 1671 mit den Lebensbruchstücken eines scheinbar namenlosen Mannes, den man durch das Dorf und fast an meiner Haustüre vorbei geführt hatte, mit Ketten fest auf einen Wagen geschmiedet. Man hielt ihn für einen Werwolf und Hexenmeister.
Am Ende von mehrjährigen Recherchen stand dieses Buch. Es berichtet von diesem historischen Hexenprozeß aus dem Jahre 1629 gegen Henrich Schäfer, einen Hirten aus dem Dillenburgischen Dorf Hohenroth. Angeklagt ein Werwolf zu sein, flüchtet er in den Rheingau. Doch man schickt ihm Hexenjäger nach, die ihn in Eltville aufspüren und nach Herborn vor seine wenig gnädigen Richter brachten...
Neben diesem und anderen Werwolfprozessen beschreibt das Buch auch die lange Geschichte dieser fast überall in Europa verbreiteten Vorstellung vom wolfsverwandelten Menschen. Es zeichnet den Weg nach, wie diese alte Erzählfigur ins Fahndungsbild der Hexenlehre geriet und sich dabei verwandelte. Das hatte Folgen bis in Literatur und den Film des 20. Jahrhunderts. Ein Interview mit einem "lebenden Werwolf" in Rumänien beschließt das mit historischen Bildern und Dokumenten reich illustrierte Buch.Elmar M. Lorey
HENRICH DER WERWOLF
Eine Geschichte aus der Zeit der Hexenprozesse mit Dokumenten und Analysen.
Anabas-Verlag 1998; 352 Seiten; 148 Abb. ISBN 3-87038-297-X; 29,50 Euro* Zum Inhaltsverzeichnis
* Auf die Frage, wie ein Autor dazu kommt, sich mit so weit auseinander liegenden Themen zu befassen, kann man hier etwas erfahren.
* Pressestimmen zum Buch
LINKS zu weiteren E-Texten auf diesen Seiten, die sich mit dem Thema "Werwolf und Hexenverfolgung" beschäftigen, findet man oben unter dem Knopf "Übersicht". Zum Beispiel eine chronologische ArchivListe von rund 250 Werwolf-Prozessen zwischen 1423 und 1720, soweit sie in der Fachliteratur und durch Gerichtsakten belegt sind. Dazu eine Literatur- und Linkliste zum Thema. Beide Listen werden fortlaufend ergänzt.
Link-Tip: Unter historicum.net findet man ausführliche Informationen zur Geschichte der Hexenverfolgung und zahlreiche kommentierte Links zum Thema.
Eine interessante kommentierte Link-Liste über das, was im Internet an seriösen Informationen zum Thema Hexenverfolgung angeboten wird, ist in Klaus Grafs Hexen-Lesezeichen zu finden. (Stand von 2001 !)
DVD-Tip: Seit rund siebzig Jahren hat das Kino den Werwolf als attraktive Erzählfigur in Dienst genommen und mit seinen Varianten die Sagenvermittlung gewissermaßen überdeckt. - Mehr dazu hier -
Bis ins 19. Jahrhundert lässt sich im zentraleuropäischen Sagenschatz jedoch eine starke Erzähltradition beobachten, die den Werwolf vor allem in Livland - also an der europäischen Peripherie - ansiedelt. Stefan Donecker hat 2009 in einem Aufsatz darauf hingewiesen, dass dies womöglich Ausdruck eines Abgrenzungsdiskurses war, bei dem Monstrosität gleichsam an die europäischen Grenzen, also in die baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen verschoben wurde. Dem interessanten Aspekt, dass der Werwolf dort auch heute noch zum geläufigen Erzählrepertoire gehört, ist die Filmemacherin Gisa Schleelein in ihrem Film Teufelsland nachgegangen, den sie 2008 in Zusammenarbeit mit ZDF und Arte dort gedreht hat. Die 90 minütige Dokumentation ist als preiswerte DVD hier zu finden.
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Stand: 05. 2013
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